Ab August 2026 gelten neue Transparenzpflichten nach der EU-KI-Verordnung.
In manchen Zahnarztpraxen ist eine künstliche Intelligenz, wie zum Beispiel ChatGPT, beim Social Media Marketing beteiligt. Das ist grundsätzlich ein guter Move und auch erlaubt. Jedoch gibt es seit August 2026 eine neue KI-Kennzeichnungspflicht. Hat Ihre Social-Media-Verantwortliche davon schon gehört?
Viele Zahnmedizinische Fachangestellte würden jetzt mit dem Kopf schütteln und sich fragen: „Darf ich ChatGPT eigentlich noch für Instagram in der Zahnarztpraxis nutzen?“
Die gute Nachricht vorweg: Ganz so streng ist es nicht.
DISCLAIMER: Die dargestellten Social-Media-Szenarien für Zahnarztpraxen wurden fachlich von der Rechtsanwältin AGIWEE geprüft. Dieser Artikel soll jedoch keine Rechtsberatung ersetzen. Die neue KI-Kennzeichnungspflicht betrifft sämtliche Bereiche einer Zahnarztpraxis, in der eine künstliche Intelligenz involviert sein kann (KI-Telefonassistenz, Röntgen usw.). Bei Detailfragen zur EU-KI-Kennzeichnungspflicht wenden Sie sich bitte an eine spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei.

Inhaltsverzeichnis:
- Definition KI-Kennzeichnungspflicht
- Pflichten für Anbieter und Anwender
- Kennzeichnungspflicht für ChatGPT-Texte
- Praxisbeispiel: KI-Kennzeichnung
- KI-generierte Bilder und Videos
- Folgen einer fehlenden KI-Kennzeichnung
- Textbausteine für Ihre Instagram Posts
- Offizielle KI-Icons von der EU
- Anwendung der KI-Kennzeichnungspflicht
- Quiz für Ihr Social-Media-Marketing
Neue KI-Kennzeichnungspflicht – eine Definition
Seit dem 2. August ist von der Abkürzung EU AI Act in den Medien die Rede. Damit ist die neue KI-Kennzeichnungspflicht der EU gemeint. Diese soll bei der Verwendung von künstlicher Intelligenz (KI) mehr Transparenz für die Verbraucher schaffen. KI-generierte Texte und KI-Bilder, die der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, müssen zum Teil speziell gekennzeichnet werden. Nutzer – in Ihrem Fall Patienten – sollen klar erkennen können, wann sie künstlich generierte Inhalte vor sich sehen. KI kann sowohl Texte als auch Bilder generieren, die täuschend echt aussehen (Deepfakes).
Wichtige Unterscheidung: Pflichten für Anbieter eines KI-Tools und für Anwender
Das Gesetz unterscheidet zwischen dem Anbieter eines KI-Tools und Ihnen als Betreiber, der das Tool einsetzt. ChatGPT zum Beispiel muss KI-Inhalte technisch, meist unsichtbar, als KI-generiert markieren. Als Praxis treffen Sie eigene, zusätzliche Offenlegungspflichten, insbesondere wenn Sie Bild- oder Videomaterial veröffentlichen, das echte Personen oder Orte täuschend echt abbildet.
Grundsätzlich gelten dabei die berufsrechtlichen Werbebeschränkungen, die von den Landeszahnärztekammern ausgehen (Stichwort Heilmittelwerbegesetz).
Müssen Zahnarztpraxen jetzt alle ChatGPT-Texte kennzeichnen?
Ihre Social-Media-Beiträge benötigen nach der KI-Kennzeichnungspflicht nicht zwingend ein entsprechendes Label. Eine Kennzeichnungspflicht nach Art. 50 KI-Verordnung besteht für Texte nur, wenn zwei Voraussetzungen zusammenkommen: Erstens muss der Beitrag Themen von öffentlichem Interesse betreffen. Zweitens darf der Text nicht von einem Menschen redaktionell geprüft worden sein, der dafür erkennbar die Verantwortung übernimmt.
Liegt eine solche redaktionelle Prüfung mit erkennbarer Verantwortungsübernahme vor, entfällt die Kennzeichnungspflicht, unabhängig davon, wie stark der Text dabei verändert wurde. Für die allermeisten Instagram- und Facebook-Beiträge einer Zahnarztpraxis besteht daher schon mangels öffentlichen Interesses keine gesetzliche Kennzeichnungspflicht. Ein freiwilliger Hinweis bleibt trotzdem eine gute Idee (siehe unten).

Wie Ihre ZFA künstliche Intelligenz zeitsparend und effektiv für Ihre Praxisaccounts auf Instagram & Facebook verwenden kann, ist Bestandteil meines Reels- und Storyworkshops mit KI. Kontaktieren Sie mich gern und ich besuche Sie persönlich für einen Tagesworkshop in der Zahnarztpraxis.
Transparenz bei der KI-Nutzung – ein Praxisbeispiel
Die KI erstellt in wenigen Minuten einen neuen Instagram-Beitrag, ein Reel oder eine Beitragsgrafik. Grundsätzlich ist das erlaubt, aber in manchen Fällen fordert die EU-KI-Verordnung Transparenz.
Nehmen wir einmal an, ChatGPT schreibt einen Beitrag über die professionelle Zahnreinigung in Ihrer Zahnarztpraxis. Die Bilder und Infos zum individuellen Ablauf der PZR liefert die Zahnmedizinische Fachangestellte selbst. In diesem Anwenderbeispiel muss keine gesonderte Kennzeichnung erfolgen, da die Grafiken aus Ihrer Praxis stammen und die Social-Media-Verantwortliche eigene Erfahrungen einfließen lässt.
Achtung bei KI-generierten Bildern und Videos
Auch ich habe auf meinem Instagram-Kanal das eine oder andere KI-generierte Bild. Schließlich stehe ich im Gegensatz zu Ihnen nicht täglich im Behandlungszimmer einer Zahnarztpraxis und kann echte Bilder aus der Praxis nutzen. Wenn ich Bildmaterial künstlich erstellen lasse, ist das am KI-Label von Meta erkennbar. Es ist direkt bei der Erstellung eines Instagram- oder Facebook-Posts einzufügen.
Die KI-Fotos sehen je nach Gestaltungsart täuschend echt aus, sodass Betrachter glauben könnten, dass es die Inhalte in der Realität gibt. Falls Sie also einmal keine authentischen Fotos mit Ihren Mitarbeitern produzieren können, denken Sie an die KI-Kennzeichnungspflicht! Ich würde Ihnen nur empfehlen, sparsam mit „falschen“ Bildern und Videos zu arbeiten, da potenzielle Bewerber lieber echte Einblicke in Ihre Zahnarztpraxis sehen wollen.

Bußgelder und Umsatzeinbußen – Folgen einer fehlenden Kennzeichnung
Die zuständige Marktüberwachungsbehörde in Deutschland ist seit Inkrafttreten des KI-Durchführungsgesetzes (KI-MIG) im Sommer 2026 die Bundesnetzagentur. Verstöße gegen die Transparenzpflichten aus Art. 50 KI-VO können mit Bußgeldern von bis zu 15 Mio. Euro oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden. Bei kleinen und mittleren Unternehmen, wie es auf die meisten Zahnarztpraxen zutrifft, gilt jeweils der niedrigere Wert (Art. 99 Abs. 6 KI-VO).
Aber keine Panik! Ein einzelner unbeschrifteter Marketing-Post, sofern er kennzeichnungspflichtig wäre, führt nicht automatisch zu einem Verfahren, dennoch lohnt sich ein sauberer Umgang mit KI-Inhalten.
Transparenz schafft Vertrauen und Rechtssicherheit
KI ist im Praxismarketing ein praktischer Helfer, um Bilder und Texte schnell zu generieren. Stehen Sie dazu und zeigen Sie klar, wenn Ihre Social-Media-Verantwortliche ChatGPT als Unterstützung verwendet. Gerade im Online-Recruiting kann das sogar ein Pluspunkt sein, denn damit zeigen Sie Bewerbern, wie digital und zukunftsorientiert Ihre Zahnarztpraxis ausgerichtet ist.
Falls Sie einmal unsicher sind, ob der Instagram-Beitragstext zu stark KI-generiert ist, setzen Sie einen Hinweis darunter. Dieser kann zum Beispiel lauten: „Dieser Text wurde von einer KI geschrieben und von einem Menschen redaktionell überarbeitet.“ Das suggeriert eine verantwortungsvolle Verwendung moderner Technologien und schafft Rechtssicherheit.
Weitere Textbausteine für Ihre Instagram Postings könnten sein:
- “Dieser Beitrag wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erstellt.
- “Text ist KI generiert.”
- “Posting wurde mit Unterstützung von ChatGPT erstellt.”
Setzen Sie zusätzlich einen KI-Chatbot ein, der Patientenanfragen auf Instagram, Facebook oder Ihrer Website automatisch beantwortet, gilt eine eigene Pflicht: Patienten müssen erkennen können, dass sie mit einer KI und nicht mit einem Menschen kommunizieren (Art. 50 Abs. 1 KI-VO), es sei denn, dies ist ohnehin offensichtlich.
Offizielle EU-Icons zur KI-Kennzeichnung
Zusätzlich zu einem eigenen Hinweistext können Sie freiwillig die offiziellen EU-Icons zur KI-Kennzeichnung nutzen. Die Europäische Kommission stellt drei Symbole („AI“, „AI GENERATED“ und „AI MODIFIED“) kostenlos zum Download bereit. Die Nutzung ist nicht verpflichtend und ersetzt keine rechtliche Prüfung im Einzelfall, sorgt aber für ein einheitliches, EU-weit erkennbares Signal und unterstreicht zusätzlich Ihre Transparenzgegenüber Patienten.

Verhältnismäßige Anwendung der KI-Kennzeichnungspflicht
Die neue KI-Verordnung (EU AI Act) bedeutet nicht das Aus für ChatGPT im Praxismarketing. Die Leitlinie soll nur zu mehr Transparenz in einer Welt voller Täuschungen und Falschinformationen beitragen – dafür genügt eine verhältnismäßige Anwendung.
Merken Sie sich am besten: Künstliche Intelligenz darf Ihr Social-Media-Marketing vereinfachen, sollte die Authentizität aber nicht ersetzen.
Praxisaccount auf Instagram & Facebook rechtssicher pflegen
Die neue EU-KI-Verordnung ist nur einer von mehreren Fallstricken im Social-MediaMarketing. Auch bei der Verwendung von Musik für Kurzvideos auf Instagram (Reels) und beim Einpflegen des Impressums gibt es für Zahnarztpraxen rechtliche Vorgaben. In meinem Präsenzworkshop zeige ich Ihrer Social-Media-Verantwortlichen praxisnah, wie sie Ihren Praxisaccount auf Instagram und Facebook professionell und mit einem sicheren Gefühl pflegt. Rechtliche Einzelfallprüfungen etwa zu Musiklizenzen oder der KI-Kennzeichnungspflicht würde ein Medienanwalt für Sie übernehmen.
Quiz für Ihr Social-Media-Marketing: Wo besteht Kennzeichnungspflicht?
Zum Abschluss dieses Blogartikels zur neuen KI-Verordnung nun ein kleines Quiz. In welchen Fällen ist ein KI-Label erforderlich?
Unter dem Teamfoto Ihrer Praxis schreibt die künstliche Intelligenz den Beitragstext, basierend auf den Namen der Mitarbeiter und ihrer Jobposition.
Antwort: Keine Kennzeichnung erforderlich. Eine Bildunterschrift mit Namen und Position der Teammitglieder betrifft keine Angelegenheit von öffentlichem Interesse im Sinne von Art. 50 Abs. 4 KI-VO, schon deshalb greift die Kennzeichnungspflicht für Text hier nicht, unabhängig davon, wie stark die KI beteiligt war.
Das Bildbearbeitungsprogramm Canva generiert aus einem echten Bild von Ihrem Praxisthresen einen komplett neuen Eingangsbereich.
Antwort: KI-Label unbedingt erforderlich. Aus einem echten Foto Ihrer Praxis wird ein Bild, das einen real wirkenden, aber tatsächlich nichtexistierenden Ort zeigt. Das ist ein sogenannter Deepfake im Sinne des AI Act (Art. 3 Nr. 60), weil er einen realen Ort abbildet und täuschend echt aussieht. Zusätzlich könnte die Darstellung wettbewerbs- bzw. heilmittelwerberechtlich irreführend sein, wenn Patienten daraus falsche Rückschlüsse auf die tatsächliche Praxisausstattung ziehen.
Der Text in einem gesprochenen Reel ist mit einer KI-Stimme erstellt worden.
Kennzeichnungspflicht, sobald eine Verwechslung mit Teammitgliedern möglich ist. Bei einer neutralen, erkennbar synthetischen Erzählerstimme ohne Bezug zu einer realen Person besteht keine zwingende gesetzliche Pflicht, ein kurzer Hinweis im Text oder in der Bildunterschrift schafft jedoch zusätzliches Vertrauen.
Canva AI, die KI vom Grafiktool Canva, erweitert künstlich das Bild von einem Teamfoto im Freizeitpark.
Es kommt darauf an, wie realistisch der künstlich erzeugte Hintergrund auf dem Foto aussieht. Wichtig ist außerdem, dass die dargestellten Teammitglieder wirklich aus einer Zahnarztpraxis stammen.
Social Media für die Zahnarztpraxis – aber bitte professionell
Ihre Zahnmedizinische Fachangestellte ist noch unsicher bei der Pflege Ihrer Praxisaccounts auf Instagram & Facebook? Schnell mal ein Reel (Kurzvideo) während einer Implantat-OP drehen oder einen Postingtext verfassen, funktioniert selten ohne Plan.
In meinem Reels- und Storyworkshop mit KI zeige ich Ihrer Social-Media-Verantwortlichen direkt in Ihrer Zahnarztpraxis, wie sie Instagram & Facebook professionell, zeitsparend und mit einem klaren Plan für Ihre Praxis nutzen kann.
Jetzt Workshoptermin vereinbaren und Social Media fest in Ihren Praxisalltag integrieren.